Vorbilder für Vereinbarkeit

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Bei der lange Nacht der ZEIT wurde im Körber-Forum am vergangenen Donnerstag wieder einmal über das Thema „Vereinbarkeit“ diskutiert. Es ging um das Buch der beiden ZEIT-Journalisten Marc Brost und Heinricht Wefing „Geht alles gar nicht“. Darüber habe ich hier schon ausführlich geschrieben. Was mich aufhorchen ließ in der Diskussion, war gegen Ende das Thema Vorbilder. Andrea Nahles äußerte sich dazu, eine der „ersten Spitzenpolitikerinnen, die während sie Generalsekretärin war ein Kind bekommen hat“. Sie stellt fest, dass es für Frauen wie sie noch keine Vorbilder gebe. Andererseits will sie sich auch gar nicht an anderen orientieren, weil sie das „affig“ findet:

„Vorbilder sind immer was Schräges – lieber selber machen“.

Das finde ich schwach – und glaube genau das Gegenteil. Wir sollten uns gut umgucken, nach Männern und Frauen, die Lösungen entwickelt haben und von sich behaupten können, dass Kinder und ein erfüllter Job sich in ihrem Leben nicht ausschließen. Im Sinne einer best practice könnte man von ihren Erfahrungen profitieren und sie auch zitieren, wenn andere nicht daran glauben wollen. Das setzt auch voraus, dass man sich die Umstände genauer ansieht, unter denen in bestimmten Konstellationen manchen Paaren der Alltag mit Kindern und Job besser gelingt. Ich bin mir sicher, dass sich dabei gemeinsame Strategien ableiten lassen, die auch in politische Forderungen münden könnten. So zum Beispiel die Idee des Teilens, der gelebten Gleichberechtigung, die Möglichkeiten des flexiblen Arbeitens, eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit, nicht zuletzt auch Gelassenheit – um nur einige Beispiele zu nennen, die mir in Schilderungen von Paaren immer wieder auffallen, die sich mir selbst als Vorbilder präsentieren.

Wir brauchen in unserer aktuellen Umbruchsituation zuallererst Vorbilder, die uns zeigen, wie es gehen könnte. Die kreative Ideen entwickeln, wie es denn aussehen könnte, wenn Männer und Frauen sich die Aufgaben in der Familie teilen und zugleich im Beruf erfüllend arbeiten können. Die konkrete Forderungen stellen. Und solche Vorbilder sollte es auch und gerade unter Politikerinnen und Politikern geben. Ich warte noch auf den Tag, an dem eine Ministerin oder ein Minister zumindest einmal den Antrag stellt, das Amt mit jemandem zu teilen. Job-Sharing auf höchster Ebene vorgelebt – sollte das nicht Nachahmer finden?

In diesem Zusammenhang bin ich gespannt auf den nächsten Digitalen Elternabend von scoyo zum Thema Vereinbarkeit in der kommenden Woche am 19. Mai ab 21 Uhr. (Disclaimer: in unserer Agentur Mann beißt Hund betreue ich im Team mit Kolleginnen diesen Elternabend für unseren Kunden scoyo). Als Experten sind zwei Frauen und zwei Männer eingeladen, die sich Gedanken darüber gemacht haben, wie es gehen könnte mit der Vereinbarkeit, und zwar aus ganz verschiedenen Lebenssituationen heraus. Sie werden dazu aus ihrem eigenen Leben berichten, aber auch Forderungen an Wirtschaft und Politik nicht auslassen. Ich bin gespannt auf die Diskussion. Alle, die möchten, können live oder nachher zugucken und sich mit Fragen via Twitter, Facebook oder Mail auch beteiligen.

Teilnehmer/innen am Digitalen Elternabend zu Vereinbarkeit:

  • Susanne Garsoffky, eine der Autorinnen von „Die Alles-ist-möglich-Lüge“
  • Patricia Cammarata, Bloggerin (dasnuf.de), Diplom-Psychologin und IT-Projektleiterin
  • Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, Managing Director bei Cohn & Wolfe Public Relations, Blogger (Haltungsturnen)
  • Mathias Voelchert, Gründer und Leiter von familylab.de
  • Daniel Bialecki, Geschäftsführer von scoyo (Moderation)

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2 Gedanken zu „Vorbilder für Vereinbarkeit

  1. Pingback: Vereinbarkeitsgedanken | Marthori

  2. Pingback: Geht ja doch: Das Buch über Vereinbarkeit | InKladde

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